Regional verwurzelt

von Lisa Kepp am 5. October 2009

Zeige mir Deine kulinarische Wurzel und ich sage dir, woher Du kommst! – Na ja, zumindest dann, wenn’s typisch bayerisch, rheinisch oder norddeutsch wird. Wenn wir von Weißwurst, der Printe oder dem Aal sprechen. Vielleicht aber auch von einem leckeren Kölsch oder der herrlichen Currywurst. Obwohl – gerade bei der Currywurst streiten sich die Geister und deklarieren von Berlin bis Bochum diese lukullische Erfindung für sich. Aber Pommes rot/weiß, das ist doch wieder typisch Ruhrpott?! Und Fisch? Die regionale Küche Hamburgs jedenfalls kennt eine Vielzahl von Fischgerichten …

Eins ist mal sicher: München ist die Geburtsstätte der Weißwurst. Und die Beste – so wird kolportiert – gibt’s im Turmstüberl, einem kleinen Lokal im „Valentin Musäum“, wo Inhaberin Petra Perle die Erinnerung an Karl Valentin mit viel Humor, Geschichte und vor allem regionaler Küche lebendig hält. 79 Stufen trennen die Besucher vom „nicht nur“ Weißwurstparadies. Oben angekommen atmet das Gastro-Rondell den Zeitgeist einer längst vergangenen Zeit. Und über die Preise kann man nur staunen. Preiswerter geht’s nimmer! Auf den Tisch kommt, was schmeckt und regionalen Charakter hat. Ein echtes Schätzchen, das man bei einem Besuch in München nicht versäumen sollte.

Dass Aachen als Printenparadies gilt, ist kein Geheimnis. Man braucht nur seinen Fuß in die Altstadt zu setzen und fällt förmlich über das begehrte würzige Weihnachtssouvenir der Kaiserstadt. Kulinarischen Hochgenuss aber verspricht das Gebäck, wenn es sich in der leckeren Printensoße ,verflüssigt’. Beim typisch rheinischen Sauerbratengericht, das in Aachen nie ohne Printe serviert wird. Als Sauerbratendynastien gilt der Sauerbraten Palast in der Vaalser Straße nur wenige hundert Meter vor der niederländischen Grenze. Ohne viel Schischi kommt das Lokal dem Gericht angemessen sehr rustikal daher und doch verlangt der Ansturm auf rheinische Köstlichkeit eine Reservierung. Gutes spricht sich eben rum.

Darauf jetzt ein kaltes Kölsch. Das Früh am Dom klingt nicht nur wie eine Wegbeschreibung, sondern beschreibt auch gleich zahlreiche Möglichkeiten, der kölschen Trinkart in verschiedenen Lokalitäten der Brauerei zu frönen. Vom urigen Brauhauskeller, dem traditionellen Brauhaus, den Hofbräustuben bis zum Hof 18 – für die Gäste, die Tradition nicht auch noch im Ambiente gespiegelt haben wollen. Hier darf’s dann gerne modern sein, denn auch zur Cross-over Küche passt das frisch gezapfte Nass perfekt.

So ein Bierchen macht mir Lust auf Fisch. Den bekomme ich zwar überall, aber bestimmt kaum so gut wie im hohen Norden. Der Besuch des Fischmarkts ist hier natürlich Pflicht, zumal das auch zu „normalen“ Uhrzeiten geht. Beispielsweise in Hamburgs FISCHclub Blankenese. Das schwimmende Hausboot auf der Elbe ist dem Namen nach eher traditionell, im Ambiente aber durchaus modern. Da mundet eine Nordseescholle gleich noch mal so gut.

In diesem Sinne: genießt die regionale Küche wenn möglich dort, wo sie ihre Wurzel hat!

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